In diesem Ratgeber
Prüfen Sie bei einem Ökostromtarif die Stromkennzeichnung, zusätzliche Tarifkriterien und die Vertragskosten. Ein Herkunftsnachweis belegt, dass eine bestimmte Strommenge aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde. Ein Siegel kann zusätzlich verlangen, dass der Anbieter Energiewende-Projekte unterstützt. Preise und Vertragsbedingungen stehen im Angebot des Anbieters.
Die Siegel Grüner Strom und ok-power helfen bei der Orientierung. Prüfen Sie trotzdem die Stromkennzeichnung, Preise und Vertragsbedingungen. Entscheidend ist, ob das Siegel für den konkreten Tarif gilt.
Was Herkunftsnachweise belegen
Herkunftsnachweise belegen die Erzeugung einer bestimmten Strommenge aus erneuerbaren Quellen und nennen unter anderem Energiequelle, Anlage, Standort und Erzeugungszeitraum. Der Lieferant muss die Nachweise für die als Ökostrom ausgewiesenen Mengen beschaffen und entwerten lassen. Durch die Entwertung kann dieselbe erneuerbare Eigenschaft nicht mehrfach verkauft werden.
Der Nachweis sagt weder, wie umweltfreundlich eine Anlage ist, noch ob der Tarif den Bau zusätzlicher Anlagen anstößt. Strom und Herkunftsnachweis lassen sich getrennt handeln. Deshalb kann ein Tarif in seiner Strombilanz erneuerbaren Strom ausweisen, obwohl der Lieferant Strom und Nachweis nicht gemeinsam von derselben Anlage bezogen hat. Auch kommt nicht genau diese Strommenge aus Ihrer Steckdose: Im Netz wird der Strom gemeinsam verteilt.
In der Jahresrechnung finden Sie die Stromkennzeichnung des Tarifs. Sie zeigt den Energiemix und seit 2023 auch, aus welchen Ländern die Herkunftsnachweise stammen. Ein ausländischer Herkunftsnachweis belegt, dass die ausgewiesene Strommenge erneuerbar erzeugt wurde, sagt aber allein nichts darüber aus, ob in Deutschland zusätzliche Anlagen gebaut werden.
Was die Ökostrom-Siegel prüfen
Das Umweltbundesamt empfiehlt die Siegel Grüner Strom und ok-power als Orientierungshilfe für Tarife, die zusätzliche Anforderungen erfüllen. Die Siegel haben unterschiedliche Kriterien. Sie liefern kein gemeinsames Ranking, das den zusätzlichen Klimanutzen jedes Tarifs beziffert.
| Siegel | Was es verlangt | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|---|
| Grüner Strom | Stromlieferung und Herkunftsnachweise müssen nachweislich aus übereinstimmenden erneuerbaren Anlagen stammen. Bei Privatkundentarifen fließen mindestens 0,5 Cent je verbrauchter Kilowattstunde in Energiewende-Projekte. Die Einhaltung wird regelmäßig überprüft. | Das Siegel gilt für einen bestimmten Tarif. Andere Produkte desselben Anbieters müssen nicht ebenfalls zertifiziert sein. |
| ok-power | Pflichtkriterien betreffen unter anderem den Strommix, Beteiligungen des Anbieters, Verbraucherschutz und ökologische Anforderungen. Zusätzlich muss der Tarif einen Beitrag zur Energiewende nach einem von mehreren möglichen Wegen nachweisen. | Zertifizierte Tarife können unterschiedliche Förderwege nutzen. Eine einzelne Quote gilt daher nicht pauschal für alle ok-power-Angebote. |
| ok-power-plus | Das Zusatzsiegel steht für Anbieter, die ihre Haushalts- und Kleingewerbekunden mit ok-power-zertifiziertem Strom versorgen. | Es sagt etwas über die Breite der Zertifizierung beim Anbieter aus, aber nichts über Preis oder Service. |
Das zeigt sich an einem Wahlkriterium bei ok-power: Bei der „Beschaffung aus zusätzlichen Neuanlagen“ müssen mindestens 33 Prozent der nach diesem Kriterium zertifizierten Strommenge aus zusätzlichen Neuanlagen stammen, die keine öffentliche Förderung erhalten. Daraus folgt keine Mindestquote für jeden ok-power-Tarif.
Prüfen Sie deshalb die Auszeichnung des konkreten Angebots. Ein grünes Markenbild oder ein Siegel auf der Anbieterseite belegt nicht automatisch, dass genau der ausgewählte Tarif zertifiziert ist. Auch die Kriterien und Bezeichnungen der Labels können sich ändern; maßgeblich sind die Angaben zum angebotenen Produkt.

Jahreskosten richtig vergleichen
Vergleichen Sie Angebote für dieselbe Postleitzahl und denselben Jahresverbrauch. Um die Jahreskosten ohne Bonus zu berechnen, multiplizieren Sie den Jahresverbrauch mit dem Arbeitspreis und addieren den Jahresgrundpreis. So sehen Sie, was der Tarif ohne einmalige Vergünstigungen kostet.
Ein Bonus kann den beworbenen Preis im ersten Jahr deutlich senken. Prüfen Sie, wann der Anbieter ihn auszahlt und ob dafür eine bestimmte Belieferungszeit erfüllt sein muss. Die Belieferungszeit muss nicht mit der Vertragslaufzeit übereinstimmen. Vergleichen Sie auch, was das Angebot im Folgejahr kostet, wenn der Bonus entfällt.
Eine Preisgarantie schützt nur die Preisbestandteile, die sie tatsächlich einschließt. Netzentgelte können ausgenommen sein. Das gilt auch für Steuern, Abgaben und Umlagen. Lesen Sie daher die Ausnahmen, bevor Sie Angebote anhand des garantierten Preises bewerten. Eine Vertragslaufzeit von ungefähr einem Jahr in Verbindung mit einer Preisgarantie ist eine Orientierung, aber nicht für jede Marktlage automatisch die beste Wahl.
Vertrag und Anbieter prüfen
Notieren Sie für jeden Tarif die Jahreskosten sowie den Arbeitspreis und den Grundpreis. Ergänzen Sie Laufzeit und Kündigungsfrist. Halten Sie auch fest, welche Preisbestandteile die Garantie abdeckt und unter welchen Bedingungen der Bonus gilt. So vergleichen Sie Angebote, ohne dass ein niedriger Preis im ersten Jahr die laufenden Kosten verdeckt.
Bewerten Sie Tarif und Anbieter getrennt. Ein Produktsiegel bestätigt bestimmte Anforderungen des ausgezeichneten Tarifs. Es ist kein allgemeines Urteil über alle Stromangebote des Unternehmens. Das ok-power-plus-Siegel gibt zusätzlich einen Hinweis darauf, ob die Zertifizierung einen größeren Teil der Haushalts- und Kleingewerbekundschaft umfasst.
Wenn Sie vor allem erneuerbare Herkunft suchen, prüfen Sie die Stromkennzeichnung und die entwerteten Herkunftsnachweise. Wenn Ihnen auch ein zusätzlicher Beitrag zur Energiewende wichtig ist, achten Sie auf ein Siegel mit konkreten Förderkriterien und darauf, wie der jeweilige Tarif diese erfüllt. Herkunftsland und Preis allein belegen diesen Zusatzbeitrag nicht.



