Der deutsche Strommarkt

Bis in die Mitte der 1990er Jahre existierten in Deutschland zwar mehrere Stromanbieter, doch der Strommarkt war dennoch monopolistisch organisiert, denn es existierte keine Konkurrenz zwischen ihnen. Innerhalb seiner jeweiligen Region konnte jeder Stromanbieter die Preise weitgehend selbstständig festlegen, da für den Verbraucher keine Möglichkeit zu einem Wechsel bestand. Damit entfiel für die Stromkonzerne auch der Druck zu einer möglichst günstigen Erzeugung und Weitergabe des Stroms. Zur Begründung für die staatliche Duldung dieser Monopolstellung der Stromanbieter wurde die Tatsache herangezogen, dass die Versorgungsnetze natürliche Monopole innerhalb der Lieferkette für Strom darstellen. Der Aufbau konkurrierender Netze wäre wegen der enormen Kosten für die notwendige Infrastruktur wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen.

Steigende Energiekosten, die Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen belasteten, führten schließlich dazu, dass im Jahr 1996 die erste EU-Richtlinie zur Liberalisierung des Strommarkts verabschiedet und 1998 auch in Deutschland umgesetzt wurde. Im Jahr 2003 wurde die Richtlinie noch einmal revidiert, die Änderungen fanden 2005 Eingang ins deutsche Recht.

Die Richtlinien sollten neuen Stromanbietern den Zugang zu den Versorgungsnetzen ermöglichen und die Bedingungen und Nutzungpreise für den Zugang in fremde Stromnetze unter staatliche Aufsicht stellen. In einem weiteren Schritt wird derzeit die Entflechtung zwischen Stromerzeugung und Besitz der Versorgungsnetze diskutiert.

Tatsächlich nutzen bereits heute zahlreiche neue Stromanbieter die Möglichkeiten. In ihren unterschiedlichen Tarifangeboten konkurrieren sie nicht nur mit günstigen Preisen, sondern werben zum Teil auch mit Ökostrom.

Obwohl bereits seit Jahren nicht nur von den neuen Anbietern selbst, sondern auch von Seiten der Politik für die Sparmöglichkeiten beim Wechsel zu einem billigeren Anbieter geworben wird, sind viele Verbraucher bis heute ihren alten Anbietern treu geblieben. Hauptgrund dafür ist eine große Unsicherheit in Bezug auf die Modalitäten eines Wechsels.